Versteckt im Wald zwischen Seppensen und Suerhop liegen die Gebäude des „Wohn- und Ferienheim Heideruh e. V.“, von dem wohl viele Buchholzer*Innen kaum etwas Genaueres wissen.

Manche werden sich an die Gestaltung des Tags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erinnern, den Heideruh für die Stadt Buchholz und die Ausstellung „Heideruh – Verfolgung und Widerstand“ in der Stadtbücherei gestaltet hat. Auch an der Errichtung des Mahnmals für die Opfer der Nationalsozialisten auf dem Marktplatz im Jahr 2016 und der Neugestaltung dieses Platzes zum 8. Mai 2021 hat Heideruh wesentlichen Anteil.

Heideruh ist heute ein vielfältiger, bunter, lebhafter und spannender Ort, an dem alle Menschen aus aller Welt willkommen sind, die Respekt vor Menschen aus aller Welt haben!

Es ist in erster Linie Ort der Begegnung. In geschichtsträchtigen Räumen finden „rote“ und auf dem mit dem Buchholzer Umweltpreis ausgezeichneten Platz auch „grüne“ engagierte Einzel„kämpfer/innen“ und Gruppen alles, was das Herz begehrt. Junge AntifaschistInnen, Grüne UmweltaktivistInnen, Lesben, Buchholzer Familienangehörige oder auch „nur“ Fahrradfahrende, die auf der Durchreise eine spannende Übernachtungsmöglichkeit bei „bed and bike“ suchen.

Damit setzt Heideruh heute das fort, was noch in der Weimarer Republik begonnen worden war, als auf diesem Gelände ein Erholungsheim der Arbeiterbewegung entstand. Erst nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft 1945 konnte es mit Hilfe der britischen Befreier seine ursprüngliche Bestimmung wieder aufnehmen.
Es wurde ein Wohn- und Erholungsheim für die Verfolgten des Nationalsozialismus. Viele Jahre diente es insbesondere als Kinderheim für Kinder, deren Eltern von den Nazis umgebracht und verfolgt worden waren. Für Überlebende des Naziterrors war Heideruh eine Möglichkeit, sich aus beengten Wohnverhältnissen heraus und trotz äußerst schmaler Rente eine Erholung im Grünen mit Gleichgesinnten und ohne Angst vor weiterer Verfolgung leisten zu können.

Diese Tradition ist für Heideruh bis heute eine Verpflichtung. Schon nach dem Putsch in Chile im Jahr 1973 fanden hier Kinder von Regimegegnern Aufnahme. Einige Jahre später fanden Kinder von britischen Bergarbeiten im großen Streik gegen die Politik von Margaret Thatcher Unterkunft. In den letzten Jahren fanden hier Geflüchtete eine menschenwürdige Unterkunft und auch Obdachlose können während der Pandemie hier wohnen.

Heute leben von den Verfolgten nur noch wenige. Eine der Personen, die immer noch regelmäßig dort ist, ist Esther Bejarano, eine Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, die durch ihre Auftritte in der Empore und in Buchholzer Schulen und darüber hinaus auch in Funk- und Fernsehen vielen Buchholzern bekannt ist.
Gerade in Zeiten, in denen Ausgrenzung, Hetze und Gewalt Demokratie und Humanismus gefährden, brauchen wir solche Orte. Hier kann Kraft gesammelt werden und im offenen Gedankenaustausch mit Menschen mit einer humanistischen Grundhaltung nach Wegen für eine lebenswerte Welt gesucht werden – im Kleinen und im Großen.

In Heideruh sind alle Altersgruppen und Nationen eingeladen – aus Nah und Fern. Auch BuchholzerInnen prägen Heideruh – als Mitarbeitende, als BewohnerInnen, als Gäste bei der Wandereinkehr oder zu Familienfeiern, vor allem aber als Besuchende z. B. der Bildung-gegen-Rechts-Veranstaltungen oder des Sommerfests an jedem 4. Samstag im Juli.

Es lohnt sich, diesen spannenden Ort zu besuchen, auf den vom Ahornweg ein außergewöhnlicher Wegweiser den Weg zu dem historischen Rundgang über das Gelände weist.

Telefon: (04181) 8726 E-mail: info@heideruh.de Webseite: www.heideruh.de

Verfasser:in: Eike Seidel
Infos zum Foto: Heideruh-Antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte (Eike Seidel)

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