An der fast 100jährigen Geschichte des TSV Sprötze e.V. als wohl typischer Sportverein auf dem Lande lässt sich beispielhaft auch die gesellschaftliche Bedeutung des Sports, die sich nicht allein in der individuellen Gesundheitsvorsorge oder dem Wettkampf um Medaillen erschöpft, ablesen. Der Vereinssport ist eine der wirksamen Klammern in unserer heterogenen Gesellschaft.

Wie für viele andere Sportvereine auch beginnt die Vereinsgeschichte des TSV Sprötze nach dem Ende des 1. Weltkrieges in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, genau am 4. November 1926, als sich im Gasthaus Heins in der damals noch selbständigen Gemeinde Sprötze 22 ausschließlich turn- und sportfreudige Männer trafen und den Verein unter dem Namen „Sportverein Sprötze-Kakenstorf“ gründeten. Heute hat der TSV Sprötze um die 650 Mitglieder und der weibliche Anteil liegt weit über 50%.

Während 1933 auch der TSV Sprötze aufgrund der politischen Entwicklung in Deutschland verpflichtet wurde, im Zusammenhang mit der Einführung des Volkssports als Pflichtsport auch eine Wehrsportabteilung einzurichten, entstehen heute freiwillig neue Sparten aufgrund der Popularität bestimmter Sportarten oder Sportler und Sportlerinnen, wie es z.B. Boris Becker und Steffi Graf im Tennis waren. Auch der Gesundheitssport nimmt aufgrund des gestiegenen Gesundheitsbewusstseins in der Bevölkerung heute mit den Sparten Gymnastik, Osteoporose und einer Vielzahl aktueller Fitness-Kursangebote in vielen Trendsportarten wie z.B. Pilates, Piloxing und Zumba einen breiteren Raum ein als noch vor einigen Jahren.
Auch eine gewandelte Altersstruktur bildet sich in der Geschichte des TSV Sprötze ab. War das sportliche Angebot ursprünglich an jugendliche und erwachsene Mitglieder mittleren Alters ausgerichtet, so sind das Eltern-Kind-Turnen und der Seniorensport heute Beispiele für ein Sportangebot für Kleinkinder von zwei Jahren bis hin zu mobil gebliebenen Erwachsenen von über 90 Jahren.

Die Geschichte des TSV Sprötze war – wie in vielen anderen Vereinen auch – über viele Jahrzehnte durch herauszuhebende Persönlichkeiten und ihr Wirken geprägt. Als provisorischer 1. Vorsitzender wurde in der Gründungsversammlung 1926 der Lehrer August Schwägermann gewählt, der die Entwicklung des Vereins viele Jahre entscheidend gestalten sollte. Die politische Entwicklung in Deutschland in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts führte dazu, dass anstelle eines gewählten 1. Vorsitzenden sogenannte „Vereinsführer“ eingesetzt und dann jeweils bestätigt wurden, so auch August Schwägermann. Nach dem 2. Weltkrieg weist das Protokollbuch für den 9. März 1946 eine Generalversammlung des Turn- und Sportvereins Sprötze-Kakenstorf aus, auf der dann die Neu-/Wiedergründung erfolgte und Lehrer Schwägermann „sein Amt in die Hände des Vereins zurücklegte“. Noch im gleichen Jahr wurde die Umbenennung in den „Turn- und Sportverein Sprötze“ beschlossen.
In Sprötze erinnert die „Lehrer-Schwägermann-Straße“ an die Verdienste dieses herausragenden Vorsitzenden und Lehrers.
Im Jahre der Neugründung 1946 zählte der TSV Sprötze 187 Mitglieder. Es wurden damals nicht nur die klassischen Sportarten wie Fußball, Handball, Turnen und Tischtennis betrieben. Auch die Sparten Singen, Laienspiel und Volkstanz gehörten zum sportlichen Angebot. Die damalige Gesangssparte löste sich 1950 aus dem Sportverein und bereichert bis heute das Vereinsleben in Sprötze als eigenständiger „Frauenchor Heideklang“.

Als begeisterter Freund des Fußballspiels und wegen seiner besonderen Förderung des Sports wurde der 1. Vorsitzende des TSV Sprötze in den 50er und 60er Jahren (1953 – 1963), Wilhelm Harms, besser bekannt als „Opa Harms“, später zum Ehrenvorsitzenden, ernannt, da er sich bleibende Verdienste erworben hatte, an die auch heute noch, 50 Jahre später, regelmäßig erinnert wird. Zu seinen Ehren wird alljährlich im Landkreis Harburg für Jugendmannschaften der „Wilhelm-Harms-Gedächtnis-Pokal“ ausgespielt. Die Endspiele finden regelmäßig auf dem Sportplatz in Sprötze statt.

Die nächsten Jahrzehnte waren geprägt vom Wirken des 1. und späteren Ehrenvorsitzenden Wilfried Peters, der nicht nur für den Fußball mit der Einweihung des Sportplatzes als wesentlicher Teil des Schul- und Sportzentrums in Sprötze und der Schaffung eines weiteren Trainingsplatzes sowie der jeweiligen Flutlichtanlagen für beste Voraussetzungen auf dem Dorf für diese populäre Sportart sorgte, auch neue Sparten wie z.B. Tennis und Judo und der Gesundheitssport bereicherten durch seine Initiative das Breitensportangebot des TSV Sprötze. Natürlich waren steigende Mitgliederzahlen zu dieser Zeit die Folge und auch der Ruf nach einem eigenen Vereinshaus wurde stärker. Es ist ein bleibender Verdienst von Wilfried Peters, dass sowohl der Bau des ersten Vereinshauses und nach der Zerstörung dieses Hauses durch Brandstiftung im Jahre 2003 und der Wiederaufbau des heutigen Vereinshauses im Jahre 2005 direkt gegenüber dem Vereinshaus des Schützenvereins Sprötze-Kakenstorf in Sprötzes Dorfmitte erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Dank seiner Eigenleistungen und meisterlichen Kalkulation und Steuerung des mit viel Eigenleistungen vieler Mitglieder und Freunde und Förderer des TSV Sprötze mit ganz viel Herzblut errichteten neuen Vereinshauses konnte die Fertigstellung punktgenau erreicht und die Kosten in dem gesetzten Rahmen gehalten werden.

Die Spielgemeinschaft SG Estetal im Fußball und Handball mit dem Partnerschaftsverein SV Trelde (heute SV Trelde-Kakenstorf) Mitte der 70er Jahre trägt ebenfalls die Handschrift von Wilfried Peters. Die SG Estetal Fußball ist heute die am längsten existierende Spielgemeinschaft im Landkreis Harburg.
Für die geschilderten großen Verdienste und darüber hinaus als langjähriger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Buchholzer Sportvereine und seine damit verbundenen Verdienste um den Sport in Buchholz wurde Wilfried Peters im Jahre 2008 die Ehrennadel der Stadt Buchholz verliehen. Sein früher Tod im Jahre 2013 mit nur 72 Jahren hat eine große Lücke im Bereich des Sports in Buchholz hinterlassen.

In der sportlichen Entwicklung des TSV Sprötze prägten in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts auch „moderne“ Sparten wie Tennis, Judo, Inline-Skating und Basketball das Sportgeschehen, die aber in der Popularität sehr stark auch von den Entwicklungen dieser Sportarten im nationalen und internationalen Rahmen sowie von den Persönlichkeiten im Trainingsbereich und vor allem auch von einer Finanzierbarkeit besonders erfolgreicher Sportler und Sportlerinnen und der Mannschaften abhingen und abhängen. Die national erfolgreichen Sparten der Geher in den 60er Jahren (4. Platz bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften) und der Basketballerinnen der „Wild Girls im TSV Sprötze“ im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende konnte der TSV Sprötze aufgrund der hohen Kosten dauerhaft nicht am Leben halten, denn eine gesunde finanzielle Basis für ein Breitensportangebot für alle Mitglieder hatte und hat für den Vorstand stets absolute Priorität und nicht ein punktueller teurer Leistungssport. Natürlich können sich so besonders talentierte Sportler und Sportlerinnen auch in anderen professionelleren und größeren Vereinen besser und erfolgreicher entwickeln. Ein solcher Weg zu anderen Vereinen wird dann in jeder Beziehung unterstützt.

Ein Beispiel erfolgreicher Breitensportarbeit und Einbindung in das dörfliche Kultur- und Veranstaltungsleben ist der jährliche Auftritt der Jazzdance- und Judo-Gruppen auf dem Sprötzer Dorffest, der regelmäßig mit viel Applaus bedacht wird und so eine würdige Anerkennung findet, die die beste Motivation für die Gruppen darstellt.
Die Entwicklung der Mitgliederzahlen unterliegt nicht nur in Corona-Zeiten großen Schwankungen, auch die geschilderte Popularität verschiedener Trendsportarten und das Interesse und die Flexibilität junger Mitglieder führen immer wieder zu Ein- und Austrittswellen, auf die der TSV Sprötze aktuell durch ein breites Kursangebot reagiert und deshalb auch relativ gut durch diese Phasen gekommen ist. So konnten z.B. in der aktuellen Corona-Situation mittels Videos und auf dem YouTube-Kanal und mittels Live Streams von den Übungsleiterinnen besondere Übungsprogramme entwickelt und ins Internet gestellt oder direkt mit den Mitgliedern geteilt werden.

Zur Zukunftssicherung eines Breitensportangebotes gehören dankenswerterweise die langfristigen Pachtverträge für die Sportanlagen und das Vereinshaus mit der Stadt Buchholz, die es ermöglichen, langfristig ein vielfältiges ortsnahes Sportangebot in dem wunderschönen Heidedorf Sprötze und um Sprötze herum sicherzustellen.

Verfasser:in: Klaus Berndt, 1. Vorsitzender des TSV Sprötze von 1999-2009, seit 2009 Vorstand Öffentlichkeitsarbeit
Infos zum Foto: Klaus Berndt – Vereinshaus TSV Sprötze

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