Sie sind für Menschen da, wenn ein Angehöriger völlig unerwartet gestorben ist – in der Häuslichkeit, bei einem Unfall oder durch Suizid. Das ehrenamtliche Kriseninterventionsteam der Johanniter besteht aus 25 Teammitgliedern, die eine 24-Stunden-Bereitschaft an 365 Tagen im Jahr sicherstellen.

Katharina Stiege ist seit Gründung des Teams im Jahr 2011 dabei und hat mehr als 150 Einsätze absolviert. Doch Routine gibt es nie. Damit sie helfen kann, hat sie eine umfassende Ausbildung bei den Johannitern absolviert und ist auf verschiedenste Situationen vorbereitet.

Das Kriseninterventionsteam der Johanniter unterstützt Menschen, die einen Angehörigen plötzlich verloren haben (Sonja Schleutker-Franke)

“Ich habe gelernt – egal, was ich bei einem Einsatz vorfinde – es ist nicht mein Angehöriger, der gestorben ist und ich kann nicht helfen, wenn ich mich emotional zu sehr in die Situation reinhänge.”

Was passiert ist, erfährt Stiege über die Einsatzmeldung, die aber keine Details enthält. Vor Ort bekommen sie und ihr Teampartner meist eine Einweisung von Polizei oder Rettungskräften, manchmal müssen sie ohne weitere Informationen direkt mit den Angehörigen Kontakt aufnehmen. Es sei gut, dass sie zu zweit da sind. Während einer den Bestatter anrufe oder noch etwas mit der Polizei regele, könne der andere sich komplett um den zu Betreuenden kümmern.

“Ich richte mich dann nach den Menschen, die meine Hilfe brauchen. Manche möchten reden, stellen viele Fragen, andere möchten nichts sagen und schweigen. Die Bereitschaft zuzuhören oder zu schweigen ist sehr wichtig”, sagt Stiege.

Wenn das Einsatzhandy des Kriseninterventionsteams klingelt, ist immer etwas Schreckliches passiert. Doch Ingo zum Felde, Leiter des Kriseninterventionsteams, weiß, wie wichtig die Arbeit ist: „Wir können Angehörigen helfen, sich in dieser Ausnahmesituation als handlungsfähig zu erleben und soziale Kontakte zu aktivieren. Diesen Menschen Zeit und Kraft zu spenden, zuzuhören und einfach für sie da zu sein ist eine sehr wichtige Aufgabe.“

Damit kein Helfer das Erlebte mit nach Hause nimmt, gibt es vor Ort nach jedem Einsatz eine Nachbesprechung, durch die der Einsatz offiziell beendet wird. Beim nächsten Gruppenabend wird der Fall zudem noch einmal besprochen, damit der Helfer das Geschehene reflektieren kann und für die Gruppe als ein Beispiel, aus dem sie etwas lernen kann. Interessierte an der Arbeit im Kriseninterventionsteam können Kontakt aufnehmen unter: harburg@johanniter.de

Verfasser:in: Sonja Schleutker-Franke
Infos zum Foto: Das Kriseninterventionsteam der Johanniter unterstützt Menschen, die einen Angehörigen plötzlich verloren haben: Sonja Schleutker-Franke

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