Das Leben richtete sich nach den Wochentagen und Jahreszeiten.
Mittwochs und samstags kam das „Brot-Auto“, wie wir Kinder es nannten übers Land. Das war ein umgebauter Bus der Firma Weiß und Söhne, der das Brot und Kuchen lieferte. Freitags wurde meistens der Einkauf für die Woche getätigt. Sonntags fuhr mein Vater mit einem von uns Kindern nach Sprötze zu „Schreiber“ um dort mit Milchkannen frische Milch zu holen und seine Sonntagszeitung. Meine Oma schaltete nur an diesem Tag das Radio ein und sagte immer, „heute kommt das Wort Gottes zu mir“. Samstags wurde Sauber gemacht und der Sonntagskuchen gebacken. Oft kamen die Verwandten oder Freunde meiner Eltern zum Nachmittagskaffee am Sonntag, der meistens erst mit einem Abendbrot endete. Samstag war noch ein halber Arbeits- und Schultag.
Im Frühling standen überall auf den Fensterbänken unzählige Blumentöpfe zur Aufzucht, damit nach den „Eisheiligen“ die Pflanzung in den Garten erfolgen konnte. Enten, Gänse und Hühnerküken wurden geholt und kamen je nach Witterung in die „Kornkammer“ unter ein Rotlicht oder in die Küche, wenn es draußen zu kalt war. Meistens fanden ein bis zwei Ferkel einen Platz im Schweinestall und wurden im Winter dann geschlachtet.
Mit Freibadsaison wurde eine Familienkarte im Freibad Tostedt gekauft und meine Eltern fuhren dann mit uns abends oft zum Schwimmen. Frühzeitig wurde uns Kinder das Schwimmen beigebracht, da meine Mutter durch die Kriegsjahre erst im Erwachsenenalter das Schwimmen erlernen musste.
Im Herbst war dann die Erntezeit und wir Kinder haben Kartoffel gesammelt oder Kirschen und Äpfel gepflückt um unser Taschengeld aufzubessern. Kurz vor Weihnachten wurden unsere Schweine geschlachtet. Anschließend gab es ein Fest und Freunde und Verwandte wurden eingeladen. Spätestens kurz vor Weihnachten wurden dann Plätzchen gebacken und das Haus von oben bis unten geputzt. Weihnachten begann für uns ab ca. 18:00 Uhr mit dem Abendbrot. Danach ging es ins Wohnzimmer und es wurden Weihnachtslieder gesungen und die Weihnachtsgeschichte gelesen. Gegen 21:00 Uhr wurden dann die Geschenke ausgepackt. Wir Kinder durften an diesem Tag so lange aufbleiben wie wir wollten.
Jeder in der Hausgemeinschaft kannte seine Aufgaben und man wurde frühzeitig eingespannt. Abends, wenn noch Zeit war wurden Gesellschaftsspiele oder Karten gespielt. Fernsehen gab es auch nur abends und dann musste sich auf ein Programm geeinigt werden. Der Tagesablauf richtete sich nach den Tieren und dem was erledigt werden musste. Das besondere war, dass bei den Tätigkeiten meistens viele Menschen gemeinsam diese verrichteten und dabei gesungen oder Geschichten erzählt wurden.

Verfasserin: G. Butz

Zurück zur Startseite