Es war kalt draußen, grau und es nieselte – Hallenbadwetter. Bei so einer Definition könnte man sehr häufig schwimmen gehen…bei uns in Norddeutschland. An einem Wochenendtag mit kleinen Kindern kommt man jedenfalls sehr schnell auf die Idee mit dem Schwimmbad. Und damit das Planschen Abwechslung erfährt, gibt es verschiedene Bäder rings um Buchholz, die sich ansteuern lassen. Und so zog es uns drei, Mama, Kind 1 (8 Jahre), Kind 2 (5 Jahre) an diesem Samstag nach Schneverdingen. Wir malten uns auf der Fahrt dorthin aus, wie oft wir die Rutsche nutzen und ob wir uns einen Sprung vom Dreimeterbrett zutrauen würden. Wir freuten uns schon einmal auf die Massagedüsen im Becken und wir hatten uns ehrgeizig vorgenommen, in dem Schwimmerbecken ein paar Bahnen zu ziehen.
Der Parkplatz vor dem Heidjers Wohl war voll. Unsere Idee hatten mehrere. Im Kassenbereich strömte uns die schöne, schwüle, fast stickige und nach Chlor riechende Luft entgegen und mischte sich mit dem Geruch von Pommes-Frites.
Ich kramte nach meinem Portemonnaie in meiner Handtasche. Fehlanzeige. In der großen Badetasche vielleicht? Auch nicht. Ich wurde unruhig. „Wartet ihr bitte kurz hier? Ich habe scheinbar mein Portemonnaie im Auto gelassen.“
Ich gucke in artig nickende Gesichter. Als ich zurückkomme, stehen die beiden voller Vorfreude auf unseren gemeinsamen Nachmittag in der Nähe des Kassenautomaten. Wie bringe ich es ihnen bei?, überlegte ich fieberhaft. „Jungs, es tut mir so leid, ich habe mein Portemonnaie vergessen.“
Große, runde Augen schauten mich an. „Oh.“
Ob sie die Konsequenz gerade erfasst haben?, fragte ich mich und konkretisierte, „wir müssen leider nach Hause zurück fahren. Und vielleicht morgen wiederkommen.“
„Wie schade, Mama.“
„Ja, das finde ich auch.“
Eine Dame, die an dem Automaten ihr Ticket für die Sauna löste, bekam unsere Gesprächsfetzen mit. „Sie haben kein Geld?“ fragte sie mich.
Gequält und schuldbewusst schaute ich sie an. „Ich habe leider mein Portemonnaie zu Hause in Buchholz liegen lassen.“
Sie betrachtete die Kinder, die mit sehnsuchtsvollen Augen durch die Glasscheibe zum Becken schauen. „Ich möchte Ihnen das Geld für Ihren Schwimmbadbesuch gerne geben“, sagte sie und öffnete ihre Geldbörse.
Reflexartig antwortete ich, „nein, nein, das ist sehr nett, aber wie sollte ich Ihnen das denn zurückgeben?“
„Was kostet denn der Eintritt für Sie und zwei Kinder?“
Und in dem Moment kam mir eine Idee. „Vielleicht mögen Sie mir Ihre Bankverbindung geben? Dann kann ich Ihnen das heute Abend gleich überweisen.“
„So können wir das natürlich auch machen“, sagte sie und zog aus einem anderen Fach ihre EC-Karte. In meiner Jackentasche fand ich einen Kugelschreiber und einen Kassenbon und notierte ihre Daten.
Groß schauten mich die Jungs an, als ich am Kassenautomaten die Familienkarte drückte und den Schein in den Schlitz führte. Ich konnte ihnen in dem Moment nicht erklären, was passiert war, sonst wären mir die Tränen gekommen.
Als ich abends die Online-Überweisung durchgeführt hatte und die vom Schwimmen erfüllten und ermüdeten Kinder ins Bett brachte, sprachen wir über die nette Frau, die wir getroffen hatten.

Verfasserin: Antje Frings

Info zum Foto: unsplash, Taylor Simpson

Zurück zur Startseite